Padua liegt im Nordosten Italiens in der Region Veneto, 35 km westlich von Venedig und etwa 70 km östlich von Verona. Die Universität existiert bereits seit 1222 und ist damit nach Bologna (1088) die zweitälteste Italiens. Große Gelehrte studierten und lehrten an der Universität Padua, wie z.B. Galileo Galilei, der dort ab 1592 dozierte.
Einen Studiengang, der dem der Landschafts- und Freiraumplanung in Deutschland entsprechen würde, gibt es an der Uni Padua übrigens nicht. Der für mich zuständig gewesene Koordinator des ERASMUS-Programms ist Professor für systematische Botanik innerhalb des Studienganges "scienze naturali", ein Studiengang, der wie auch die Landespflege generalistisch angelegt ist, dabei den Schwerpunkt aber eher auf (natur-)wissenschaftliche als auf planerische Arbeit legt. So werden Grundlagen in Chemie, Physik, Geologie, Mineralogie, Zoologie, Botanik, etc. vermittelt, und die Abschlußarbeiten (Tesi di Laurea) behandeln oftmals Bestandsaufnahmen und Bewertungen von größeren zusammenhängenden Flächen im ländlichen Bereich, Grünversorgung im städtischen Bereich, aber auch Zustandsbeschreibungen von Parkanlagen und Villengärten mit umfangreichen Baumkatastern und dendrologischen (v.a. phytopathologischen) Untersuchungen.
Als Austauschstudent genoß ich natürlich die Möglichkeit, Kurse nach eigenem Gusto an verschiedenen Fakultäten zu belegen. Ich war Gasthörer eines Aufbaustudiengangs "Ingegneria del Territorio", der Architekten, Ingenieuren, Agrar- und Forstwissenschaftlern und weiteren artverwandten Diplomierten Arbeitsweisen und Werkzeuge für die Arbeit und den Umgang mit "Landschaft" im allgemeinen vermittelte. Innerhalb des o.g. Studiengangs "scienze naturali" belegte ich etwas intensiver systematische Botanik mit den dazugehörigen Laborübungen zur Bestimmung von Algen, Pilzen, Moosen bis hin zu den wesentlich vertrauteren Sporen- und Samenpflanzen. In Verbindung mit Tagesexkursionen zu Themen wie Küstenvegetation, Gebirgsvegetation, mediterrane Macchia o.ä. gewährte dieses Fach gute Einblicke in die mediterrane Vegetation und auch in die Pflanzenverwendung südlich der Alpen.
Den weitaus größeren Anteil an meinem Aufenthalt in Padua hatte allerdings das Besuchen und
Studieren einiger der unzählbaren Villen des Veneto.
Einen sehr guten Einstieg in diese Materie lieferte eine Vortragsreihe der Gruppe "Giardino storico"
der Universität Padua, deren Direktor glücklicherweise mein oben erwähnter ERASMUS-Professor war.
Diese Gruppe besteht aus Kunsthistorikern, Botanikern, Philosophen und Architekten, und sie lädt
Dozenten verschiedener Universitäten aus überwiegend diesen Bereichen alljährlich zu einer
viermonatigen Veranstaltungsreihe über historische Gärten mit Tagesexkursionen ein. Die Teilnahme
an dieser Vortragsreihe sowie das väterlich-freundschaftliche Verhältnis zu meinem ERASMUS-Professor
gewährten mir Einblicke auch in Gärten, die der Öffentlichkeit nicht oder nur eingeschränkt
zugänglich sind, da viele Villen mit ihren Gärten oft Privatpersonen gehören, die die Villen noch
bewohnen.
Aber auch allein an frei zugänglichen Villen bietet das Veneto reiche Schätze. So z.B. in den "Colli Euganei" (Euganeische Hügel), die südwestlich von Padua unvermittelt aus der Poebene auftauchen und deutschen Kurgästen vielleicht durch die heißen Quellen von Abano Terme ein Begriff sind. Unweit hiervon liegt Arquà Petrarca mit dem Haus des Dichters Francesco Petrarca, in Rivella di Monselice kann man Villa Emo besichtigen, die Vincenzo Scamozzi 1588 mit kleinem formalem Garten anlegte, der später erweitert wurde, und nicht zuletzt lohnt unbedingt ein Besuch der Villa Barbarigo in Valsanzibio mit einem der wenigen gut erhaltenen Beispiele eines Gartens "all´italiana" aus der Mitte des 17.Jhds. mit hohen Buchsbaumhecken, zahlreichen Statuen und Wasserelementen, wie Fischteichen, Brunnen, etc.
Querachse im Park der Villa Barbarigo in Valsanzibio in den Colli Euganei
Östlich von Padua hingegen beginnt die "Riviera del Brenta" (Brenta-Kanal), an deren Ufer sich der venezianische Adel seine Landsitze erbaute und diese auf dem Wasserweg von Venedig aus erreichen konnte. Hier liegen auf einer Strecke von knapp 30 km an die 80 Villen mit teilweise gut erhaltenen Gärten und schaffen so ein eindrucksvolles Ambiente in der hier sonst flachen Landschaft. Man kann allerdings nur sehr wenige dieser Villen besichtigen, erwähnt seien hier Villa Foscari (die sogenannte "Malcontenta") des Andrea Palladio von 1560 und das "Versailles der Brenta", Villa Pisani, die größte Villa des Veneto mit dem ausladenden Park von Girolamo Frigimelica aus der ersten Hälfte des 18.Jhds. mit seinen Gartengebäuden, dem Labyrinth und einer beachtlichen Sammlung an Zitruspflanzen.
Villa Pisani in Strà an der Riviera del Brenta.
Blick von der Villa über das Parterre zu den Ställen
Ein besonderes gartenhistorisches Schmuckstück bietet Padua selbst mit seinem botanischen Garten. Der "Orto Botanico" wurde 1545 angelegt und ist damit der älteste erhaltene botanische Garten der Welt. Anfangs waren hier überwiegend Heilkräuter angepflanzt, deren Namen und Wirkungsweisen die Medizinstudenten somit leichter erlernen konnten. Die heute noch erhaltene ringförmige Mauer mit Brüstung, die kürzlich mit EU-Fördermitteln restauriert wurde, grenzt diesen ältesten Teil von den umliegenden Erweiterungsflächen ab. Hier stehen dann auf nur 2,19 ha Fläche solch botanische Sehenswürdigkeiten wie ein über 400 Jahre altes Exemplar von Chamaerops humilis var. aborescens, das seit Goethes Italienreisen und seinem Werk "Versuch über die Metamorphose der Pflanzen" von 1790 auch den Beinamen "Goethe-Palme" trägt. Ebenfalls sehr interessant wie imposant sind ein Platanus orientalis von 1680 oder auch ein männlicher Ginkgo biloba von 1750 mit aufgepfropftem weiblichem Ast, eine reichhaltige Paeonien-Sammlung und vieles mehr.
Der Botanische Garten in Padua (Orto botanico) von 1545
Da die Arbeit über historische Gärten in Italien durch sehr viele verschieden ausgebildete Personen
erfolgt (Architekten, Botaniker, Kunsthistoriker, Philosophen, Agrar- und Forstwissenschaftler),
gibt es zwar ein reichhaltiges Literaturangebot, jedoch muß der Inhalt der Bücher oft der Vielfalt
der beteiligten Professionen Tribut zollen. So sind Werke, in denen alle zu Wort kommen, entweder
oberflächlich, oder aber zu umfangreich und zu unübersichtlich, oft sind sie auch nur aus einer
Sicht geschrieben und somit sehr speziell. Momentan arbeiten die Universitäten Venedig und Padua
an einer Katalogisierung der Villen der "Riviera del Brenta", die im Herbst auf CD-ROM erscheinen
soll und auf der man sich je nach Interesse durch die kunsthistorische, architektonische oder
botanische Historie der einzelnen Villen klicken können soll.
Es gibt bereits ein teilweise sehr ansprechendes Buch über die Villen der "Riviera del Brenta"